Meppener Tagespost vom 10.12.2025

Daniel Gonzalez-Tepper
Haselünne Ein lautes Piepen, und Andreas Hemmen eilt ans andere Ende der Halle. Eine der großen Waschmaschinen, die bis zu 50 Kilo Wäsche aufnehmen können, ist fertig und muss ausgeräumt werden. Trikots und Trainingsanzüge einer Sportmannschaft aus dem Emsland hat er gerade gewaschen. Wenig später ist er an dem Gerät für die chemische Reinigung gefragt. Es wäscht den Inhalt nicht wie üblich mit Wasser, Waschmittel und Klarspüler, sondern mit chemischen Mitteln bei Raumtemperatur.
Bei der Wäscherei Hemmen in Haselünne packt der Chef voll mit an. Morgens um 7 Uhr beginnt für ihn der Arbeitstag. Und vor allem die Vormittage, wenn ihn mehrere Mitarbeiter unterstützen, sind eng getaktet. Für Hotels müssen dann Bettwäsche oder Handtücher gewaschen und gebügelt werden; durch die große Mangel, die in der Mitte der Halle steht und in der Wäsche mit Dampf und Rollen geglättet wird, laufen im Sekundentakt weiße Tischdecken, in der chemischen Reinigung sind es vor allem Anzüge oder Ballkleider, also wärmeempfindliche Materialien, die gereinigt werden. Mitunter landen auch kuriose Dinge wie große Kuscheltiere oder ein Maskottchen in den Maschinen.
Spezial-Waschmaschinen kosten nicht selten mehrere 10.000 Euro: Wie viele Schritte Andreas Hemmen täglich bei der Arbeit geht, weiß der Inhaber der gleichnamigen Wäscherei in Haselünne gar nicht genau. Wer ihn einige Zeit bei seinen Aufgaben in der mehr als 500 Quadratmeter großen Halle im Gewerbegebiet Auf dem Hövel beobachtet, der ahnt, dass es einige tausend sein dürften. In der Halle stehen Geräte im Wert von mehreren 100.000 Euro. Eine große 50-Kilo-Waschmaschine oder eine chemische Reinigungsmaschine kosten einen hohen fünfstelligen Betrag. Vieles ist heutzutage automatisiert. „Früher war der Job noch anstrengender“, blickt der Haselünner zurück. Vor etwa 40 Jahren, als er als Kind seinen Vater Walter bei der Arbeit unterstützte, hatten die Waschmaschinen noch keinen Schleudergang. Die Textilien mussten also triefend nass aus der Maschine geholt werden, um sie in eine Schleuder zu bugsieren. Auch geschleuderte Wäsche hat ein ordentliches Gewicht.
Geschäft mit Leasing-Wäsche wieder aufgegeben: Etwa 300 bis 400 Kilo täglich wandern in die insgesamt fünf großen Maschinen von Hemmen. „Zu Spitzenzeiten vor Corona waren es bis zu zwei Tonnen“, sagt der 56-Jährige. Die Pandemie habe vor allem bei Hotels und Restaurants für erhebliche Einbrüche und Sparmaßnahmen gesorgt. Wieder aufgegeben hat der Wäscherei-Inhaber das Leasing-Geschäft, bei dem Hotels Bettwäsche leihen konnten, die Hemmen und seine damals 22 Angestellten natürlich auch gewaschen, gebügelt oder gemangelt sowie ausgeliefert haben. Für das Leasing-Geschäft erweiterte er die Halle vor etwa zehn Jahren sogar noch einmal um einen etwa zehn Meter breiten Anbau.
Derzeit würden sich indes auch viele Privatkunden zurückhalten und beispielsweise Tischdecken lieber selbst waschen und bügeln. „Wir bekommen dann oft nur die ganz schwierigen Fälle“, berichtet Hemmen, der aktuell noch 15 Teilzeitkräfte und Minijobber beschäftigt. Flecken, die selbst mit den besten Reinigungsmitteln noch sichtbar sind, rückt der Textilreiniger-Meister am sogenannten Detachier-Tisch mit heißem Dampf zu Leibe.
Wenn Daunen verklumpen, ist Andreas Hemmen Retter in letzter Not: Schwierige Fälle sind für ihn auch solche Textilien, die daheim von Kunden falsch gewaschen oder getrocknet wurden. Jacken oder Bettdecken aus Daunen, also aus natürlichen Federn, seien ein beliebtes Beispiel. „Oft wird bei denen zu viel oder falscher Weichspüler verwendet“, erklärt der Wäschefachmann. Dann würden Daunen regelrecht verklumpen. Auch hier versucht er, mit heißem Dampf oder speziellen Mitteln, für Abhilfe zu sorgen.
Seit 2003 befindet sich die Wäscherei Hemmen an der Straße Auf dem Hövel. Gegründet wurde sie 1953 von seiner Großmutter an der Neustadtstraße in dem Gebäude, in dem sich heute ein Asia-Imbiss befindet. Seine Eltern Walter und Elisabeth übernahmen in den 1960er Jahren. Nach einem Brand kurz vor Weihnachten 1975 gab es eine etwa zweijährige Pause. Die beste Zeit erlebte die Wäscherei ihren Worten zufolge in den 1980er Jahren, als diverse Hotels aus Meppen zu den Kunden zählten. In der Kreisstadt gibt es auch heute noch eine Zweigstelle am Schullendamm. Neben einer Annahmestelle für Wäsche wird dort auch Wäsche gebügelt.
Andreas Hemmen möchte den Beruf des Textilreinigers noch viele Jahre ausüben. Einen Nachfolger in der Familie gibt es indes nicht. Seine Tochter ist Bauzeichnerin, sein Sohn hat sich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers entschieden. Dass sein Beruf langsam „ausstirbt“, verdeutlicht der Firmeninhaber mit einer Zahl. „In den 1980er Jahren gab es pro Jahrgang 800 bis 900 Auszubildende. Heute sind es weniger als 100.“
